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Die Saaleaue im FFH-Gebiet Nr. 154 - Optimierung des Lebensraums für Biber, Wiesenknopfameisenbläuling und Co.

Das Projekt startet im Juni 2020 und wird im Rahmen des Programms „Förderung von Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ mit Mitteln des Freistaates Thüringen und der europäischen Union finanziert.

 

EFRE  
 

 

Die Saaleaue im FFH-Gebiet Nr. 154 „Saaletal zwischen Hohenwarte und Saalfeld“ befindet sich im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt zwischen Tauschwitz (Kaulsdorf) und Reschwitz (Saalfeld) und damit vollständig im Naturpark Thüringer Schiefergebirge / Obere Saale. Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf den im Managementplan ausgewiesenen Habitatflächen des Bibers. Damit werden ebenfalls die ausgewiesenen Habitatflächen von Fischotter, Westgroppe, Bachneunauge, Kammmolch und Wiesenknopfameisenbläuling erfasst.

Das Projektgebiet ist geprägt von anthropogener Nutzung und Beeinträchtigung. Hierzu gehören u.a. die Veränderung des Abflussregimes durch den Bau der Saaletalsperren (1936-1942) sowie Nähr- und Schadstoffeinträge durch angrenzende landwirtschaftliche Nutzung und durch Verkehrstrassen. Entlang des Gewässers breiten sich zudem Neophyten wie der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) und das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) aus und verdrängen typische heimische krautige Pflanzen wie Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Wasserdost (Eupatorium cannabinum).

Im Managementplan (MAP) (Triops 2018) zum FFH-Gebiet Nr. 154 werden entsprechend der Beeinträchtigungen zwei größer angelegte Maßnahmenkonzepte zur Behebung der Defizite vorgeschlagen.

Zum einen wird die Erarbeitung eines Behandlungskonzeptes zum Umgang mit gebietsfremden Arten empfohlen. Hierbei sind aufgrund der Fließgewässerdynamik auch die Oberläufe der Zuflüsse außerhalb des FFH-Gebietes zu berücksichtigen. Zum anderen soll eine zusammenhängende Auenlandschaft mit regelmäßig überschwemmten Kleingewässern und einem extensiv bis gar nicht genutzten Gewässerumfeld entstehen. Vor allem letztere Maßnahme dient der Optimierung des Lebensraums des Bibers (Castor fiber, FFH-Anhang II). Gleichzeitig profitieren auch weitere Anhang II-Arten wie Fischotter, Nördlicher Kammmolch und Wiesenknopfameisenbläuling von einer derartigen Umgestaltung.

Aufgrund der kleinflächigen Besitzverhältnisse und unterschiedlichster Interessensgruppen (Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Durchgängigkeit von Fließgewässern, Gewässerunterhaltung, Tourismus) ist das oberste Ziel dieses Projektes, die genannten Maßnahmen zu kommunizieren und geeignete Strukturen bzw. Möglichkeiten zu deren Realisierung zu finden.

Neben diesen größeren zusammenhängenden Maßnahmen sollen im Rahmen des Projektes auch Kleinmaßnahmen praktisch umgesetzt werden (s. Tabelle). Hier liegen die Schwerpunkte auf Umsetzungsmaßnahmen im Bereich des Angergrabens bei Weischwitz sowie auf der Beratung von Landnutzern. Erfolgversprechende Maßnahmen bei der Eindämmung von Neophyten werden angesichts der Laufzeit von ca. 1,5 Jahren nicht erwartet und stehen daher nicht im Vordergrund.

 

Ziel

Maßnahme(n)

Optimierung des Lebensraums für den Biber (Kleinmaßnahmen)

  • Überprüfung der Gewässerrandstreifen auf eine mögliche Verbreiterung, Begutachtung von Flächen für eine mögliche Auwaldentwicklung
  • Beratung von Gewässeranrainern und –nutzern
  • Setzen von Weidenstecklingen zur Verbesserung der Nahrungssituation
  • Schutz von Gehölzen vor Verbiss, z.B. Schwarzpappeln

Optimierung des Lebensraumes für den Wiesenknopfameisenbläuling

  • Kontrolle vorhandener Wiesenknopf-Bestände und Information von Betrieben über die Lebensweise des Schmetterlings und eine entsprechende Bewirtschaftung
  • Etablierung einer artangepassten Nutzung zur (Wieder-) Besiedelung weiterer im MAP ausgewiesener potenzieller Habitatflächen

Sicherung von Restvorkommen des Nördlichen Kammmolches

  • Anlage bzw. Wiederherstellung von fischfreien Kleinstgewässern im Bereich des Angergrabens und an anderen geeigneten Stellen
  • Sicherung der Wasserführung des Angergrabens aus dem Kürbistal, u.a. durch Umwandlung von Durchlässen zu offenen Furten

Reduzierung von Stoffeinträgen aus landwirtschaftlicher Nutzung

  • Information von Betrieben über angepasste Bewirtschaftungsmethoden
  • Überprüfung der Gewässerrandstreifen auf eine mögliche Verbreiterung, perspektivisch: Umstellung von Acker auf Grünland

Eindämmung von Neophyten

  • Sensibilisierung von Gewässerunterhaltungspflichtigen sowie weiteren Gewässernutzern (z.B. Anglern) und Aufbau eines Netzwerks an Akteuren zur Erfassung und Bekämpfung von Neophyten perspektivisch auch entlang der Zuflüsse
  • Beseitigen von Einzelexemplaren der Orientalischen Zackenschote bzw. des Riesenbärenklaus inkl. Entsorgung
  • ggf. Mahd von flächigen Springkraut- und Knöterichbeständen im Uferbereich auf Testflächen und Pflanzen von Weidensetzstangen zur langfristigen Verdrängung der Neophyten inkl. Nachpflegearbeiten und Ergebnisdokumentation
  • ggf. Beweidung von flächigen Springkraut- und Knöterichbeständen im Uferbereich mit Ziegen oder Rindern auf Versuchsflächen inkl. Ergebnisdokumentation